Samstag, 14. Dezember 2013

 Krankheitsbild: Depression

Teil II.II.

 

2. Die psychologische Erklärung:

Die Ansätze des psychologischen Verständnisses der Depression befassen sich mit den depressiven Gefühlen, Gedanken und daraus folgend dem Verhalten und den möglichen körperlichen Symptomen. Zwei Richtungen, denen ausgearbeitete Theorien als Grundlage ihres therapeutischen Vorgehens dienen sind die Tiefen- & die Verhaltenspsychologie. Bei beiden spielt die individuelle Vergangenheit eine sehr wichtige Rolle.


2.1. Die Tiefenpsychologie

Laut der Tiefenpsychologie ist die Depression eine Folge einer früheren negativen Erfahrung, die sowohl unser Erleben, als auch unsere Gefühls- und Gedankenwelt geprägt hat. Eine aktuelle Krise (in welcher Art und Weise auch immer) "passt" dann in diese Prägung der Tiefe und löst somit eine Depression aus. 
Deswegen sprechen Psychoanalytiker der Depression eine sehr wichtige Funktion zu. Wenn alle anderen Lösungsversuche in einer bedrohenden Situation nicht helfen, wird die Depression im Sinne einer Notbremse oder eines "biosozialen Schutzmechanimsus" verwendet. Letztendlich handelt es sich um einer Überlebenstrategie aus der Kindheit.


2.2. Verhaltenspsychologie

Bei der Verhaltenspsychologie gibt es drei wichtige Modelle mit unterschiedlichen Ansätzen.

2.2.1. Das Verstärkerverlustmodell:

Hierbei geht man davon aus, dass Depressionen durch zu wenig "positive Verstärkung" ausgelöst werden kann. Daraus entsteht ein Mangel an angenehmen Erfahrungen und Erlebnissen (vor allem im zwischenmenschlichen Bereich). Bestimmte Verhaltensweisen und -muster werden immer seltener belohnt, wodurch diese immer mehr reduziert werden und schließlich gänzlich verschwinden.

2.2.2. Das Modell der erlernten Hilflosigkeit:

Mit dem Ansatz, dass Depressionen auf fehlgeleiteten Lernprozessen beruhen, beschäftigt sich dieses Modell. Betroffene haben in der Vergangenheit Erfahrungen mit Situationen gehabt, in denen sie keine Kontrolle hatten, und sie selbst nichts am Ausgang dieser Situation ändern hätten können. Der fehlgeleitete Lernprozess beruht dann darauf, dass Betroffene in immer mehr und schließlich in gänzlich allen Situationen keine Eigeninitiative betreiben. Obwohl es sich dabei sehr wohl um Situationen handelt bei denen es wichtig wäre einzugreifen.


- Beispiel:
Eines unserer Gruppen auf Station heißt "CBASP" (übersetzt: „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy”). Im Wesentlichen geht es dabei darum, dass ein Patient eine Situation, die ihm vor kurzem oder vor längerer Zeit passiert ist und mit derem Ausgang er nicht zufrieden war, vorstellt. Im Verlauf der Zeit wird dann vom Patienten unter Hilfe von den Mitpatienten und des Psychologen diese Situation aufgeschlüsselt.
Wie das genau funktioniert möchte ich hier kurz an einem Beispiel nochmal erklären. Eine Patientin erzählte mal von der wöchentlichen Situation, dass sie wenn sie am Wochenende nach Hause geht ihr Mann sie jedes Mal darum bittet doch auch ihre Schwiegermutter zu besuchen. Obwohl sie das nicht gerne macht, da ihre Schwiegermutter immer nur von sich selber und ihrem Leiden erzählt und sie nie nach ihrem Befinden befragt, fühlt sie sich doch stets durch die Bitte ihres Mannes und ihrem eigenem schlechten Gewissen dazu gezwungen. Somit waren schon die Fakten festgelegt, d.h. was vor und was in der Situation geschehen ist.
Weiter geht es dann mit den Interpretionen (meist drei) des Patienten in dieser Situation. Ihre waren, dass sie das Gefühl hatte ihre Schwiegermutter würde sich nicht für sich interessieren, sie würde ihre positive Veränderung gar nicht bemerken oder das ihre Schwiegermutter sich vielleicht gar nicht ihres Verhaltens gar nicht bewusst ist oder gar mal jemanden zum Reden braucht.
http://netzlogbuch.de/wp-content/uploads/2013/07/Kiesler-Kreis.pngIm nächsten Schritt soll dann der Patient sein eigenes Verhalten im sogennanten "Kiesler Kreis" einordnen. Sie selbst hat sich mit Hilfe im unteren linken Viertel eingeordnet. Sie hat sich nicht wirklich für die zahlreichen Beschwerden ihrer Schwiegermutter interessiert, wodurch sie nicht viel zum Gespräch beigetragen hat und teils auch nicht zuhörte. Die nächsten Fragen sind dann die, wie die Situation ausgegangen ist und wie sie sich es gewünscht hätte. Sie meinte die Situation würde immer so ausgehen, dass sie unbefriedigt aus dem Gesprächen herauskommen würde. Und zwar deshalb, weil ihre Schiegermutter wiedermal sich nicht nach ihrem derzeitigem Befinden gefragt hat und wiederholt nur von sich redet. Auch hat sie sich mehrmals nicht getraut ihr Problem mit der Situation anzusprechen.Gleichzeitig hätte sie aber auch immer ein schlechtes Gewissen, dass sie nie Lust auf diese Besuche hat und dann auch nie wirklich zuhört. Was sie sich wünschen würde, sollte demnach klar sein. Sie möchte, dass ihre Schwiegermutter sich auch mal nach ihrem Befinden erkundigt und sie eine ausgeglichene Beziehung haben. Nun geht es darum, zu erkennen, wie man das nächste mal mit einer solchen Situation umgehen sollte, um das Ergebnis zu erlangen, dass man sich wünscht. Dazu werden zunächst die Interpretationen der Situation angeschaut. Dass sie denkt, dass ihre Schwiegermutter sich nicht für sie interessieren würde, ist kontraproduktiv und wenn sie sich darauf versteifen würde, würde das nicht zu einer Besserung führen. Jedoch sind die Ansätze, dass ihre Schwiegermutter nichts von ihrem Wunsch ahnt und vielleicht auch gar nicht weiß, wie sie seit sie ihre Erkrankung hat umgehen kann sind Gedanken, die durchaus wert sind in Betracht zu ziehen. Ihr Verhalten wird auch nochmal genauer beleuchtet. Um zum gewünschten Ergebnis zu kommen sollte sie sich im oberen rechten Viertel befinden, anstatt wie vorher im unteren linken. Zum Schluss wird ein sogenannter "Schlachtruf" formuliert, d.h. wenn der Betroffene in der Zukunft auf eine ähnliche oder wie im dem Fall wieder auf die selbe Situation trifft, soll er sich anhand dieses Rufes an diese Analyse mit all seinen Aspekten erinnern. In diesem Fall war es "Du bist auch wichtig". Somit sollte das Ziel erreicht sein: dem Patienten wird veranschaulicht, dass sein eigenes Verhalten sehr wohl wichtig ist und dementsprechend auch Auswirkungen darauf hat, wie eine Situation ausgeht.


2.2.3. Das kognitive Modell:

"Negative Gedanken sind die Ursache negativer Gefühle"- so der Ansatz dieses Modells. Die typischen negativen Gedanken lassen sich in drei Bereiche einteilen: die Fehleinschätzung der eigenen Person (oftmals Unterschätzung), eine falsche, stets negative Einschätzung der gegenwärtigen Situation und die pessimistische Sicht in die Zukunft. Diese Denkmuster haben die Betroffenen gelernt. Die Art und Weise wie wir als Kinder unsere Welt gesehen haben, hat auch Einfluss auf unsere heutige Sicht der Dinge. Kränkungs- und Verlusterfahrungen haben auch laut dieses Modells einen entscheidenen Einfluss darauf wie wir denken und demnach fühlen.
Aus all dem entstehen typische Denkfehler. Wie falsche Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen.

- Beispiel:

In den letzten Wochen habe ich hin und wieder mit einer älteren Patienten Gesellschaftsspiele gespielt, da sie aus lauter innerer Unruhe immer eine Beschäftigung sucht. Sobald ich im Spiel vorne lag kam stets die Bemerkung von ihr "Ach, wir brauchen gar nicht weiterspielen, ich habe doch sowieso verloren". Auch wenn dieses Beispiel etwas lapidar klingt, aber dennoch ist es wie ich finde ein sehr gutes Beispiel. Gegen diese Denkfehler kommt man sehr schlecht an. Selbst wenn ich mich bemüht habe sie auf ihre Erfolge im Spiel hinzuweisen und sie zu motivieren noch nicht aufzugeben, letzten Endes hatten für sie die Runden, in denen sie verloren hatte ein viel größeres Gewicht als solche in denen sie gewonnen hatte. Im diesem Zusammenhang spricht man von einer selektiven Wahrnehmung 



Bis demnächst,
Louisa


Lied des Tages: Carl Carlton- Everlasting love
 http://www.youtube.com/watch?v=u3AXKjlH4rQ 

Dienstag, 10. Dezember 2013

 Krankheitsbild: Depression

Teil II.I.


Erst seit ca. 200 Jahren werden wissenschaftliche Erforschungen dieser Krankheit betrieben, die sie als eine eben solche psychische Krankheit anerkennen. In den letzten Jahrzehnten fand ein enormer Zuwachs an Wissen und Erkenntnissen statt, die aus den verschiedensten Wissensgebieten hervorgingen. Sie alle gingen von verschiedenen Ansätzen aus, stellten sich unterschiedliche Fragen und bekamen unterschiedliche Antworten. 
Da es sich bei einer Depression um eine psychobiologische Krankheit handelt, werden beide Ebenen- die biologische, als auch die psychlogische- bei der Erklärung der Entstehung miteingebunden.
Deshalb verfolgt die Depression 2 Ziele: die biologische Erklärung und das psychologische Verständnis von Depressionen.

1. Die biologische Erklärung:

http://i.onmeda.de/synapse.jpgUm diese "Erklärungsebene" für jeden verständlich zu machen, hole ich jetzt erstmal lieber ein wenig aus.

Unser Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die miteinander verbunden sind, und durch sogenannte Neurotransmitter (Botenstoffe) miteinander in Kontakt treten können, indem sie Informationen weiterleiten. Die Verbindungstelle heißt Synapse.
Rechts abgebildet könnt ihr sehen, wie eine solche "Informationsübertragung" schematisch abläuft.
Eine Nervenzelle (Nervenzelle Nr.1) ist mit ihrem synaptischen Endknöpfchen mit dem Zellkörper einer anderen Nervenzelle verbunden. Wenn dann in der ersten Nervenzelle durch Weiterleitung ein elekrischer Impuls eintrifft, bewirkt dieser Reiz, dass der Impuls bis zu den synaptischen Endknöpfchen in der Zelle weitergeleitet wird. Dadurch werden Neurotransmitter, die in diesen in Vesikeln enthalten sind, "frei", d.h. sie verlassen die Zelle und treten in den synaptischen Spalt ein. An der anderen Nervenzelle können sie dann an Rezeptoren (Andockstellen) binden, wodurch die zweite Nervenzelle erregt wird, und wiederrum ein elekrischer Impuls entsteht.
Neurobiologen haben dann herausgefunden, dass die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin nicht im ausreichendem Maße bei depressiven Menschen im synaptischen Spalt enthalten sind, und somit das Gleichgewicht dieser biologischen Funktionen gestört sind. Diese Erkenntnis ist erst gut nachzuvollziehen, wenn man sich mit den Funktionen dieser Neurotranmitter auseinandersetzt.
Dopamin ist für die Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und die motorische Aktivität verantwortlich. Noradrenalin entsteht wiederrum aus Dopamin und ist für die Steuerung und Wachheit verantwortlich. Serotonin ist schließlich ein Neurotransmitter der als zentraler Stimmungsmacher für den Appetit, den Sexualtrieb und auch unter anderem für das psychische Wohlbefinden verantwortlich ist. All diese Funktionen und Fähigkeiten des menschlichen Körpers sind durch den Mangel an den wichtigen Neurotransmitter gestört.
Aufgrunddessen werden viele Menschen mit Antidepressiva behandelt, die gezielt auf den synaptischen Spalt einwirken. Denn zum einem können sie das Enzym hemmen, was für den Abbau der Neurotransmitter im synaptischen Spalt arbeitet, oder sie hemmen die Wiederaufnahme der abgebauten Neurotransmitter zurück in die Nervenzelle, die sie ausgeschüttet hat. So oder so wird erzielt, dass es eine erhöhte Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt gibt, wodurch ihre Wirkung verstärkt wird.

Bis jetzt ist die Forschung noch nicht so weit, dass sie behaupten kann Depressionen wären durch Gene veranlagt, jedoch ist es bis jetzt auch noch nicht eindeutig auszuschließen.


Die Fortsetzung von den Ursachen folgt...:)



Bis demnächst,
Louisa


Lied des Tages: Will Sturgeon-Islands
http://www.youtube.com/watch?v=owg8l0F12-k

Montag, 9. Dezember 2013

Krankheitsbild: Depression

Teil I


Jetzt wirds mal theoretisch-aber ich hoffe trotzdem nicht langweilig!:)
Für unseren nächsten, heutigen Seminartag, sollten wir jeweils einen Vortrag über ein Krankheitsbild vorbereiten, was es auf unserer Einsatzstelle gibt. Mir hat es viel Spaß gemacht, den Vortrag vorzubereiten und für die Informationen Fachbücher zu lesen, da ich somit die Gelegenheit hatte, meine bisherigen Erfahrungen mit dem theoretischen Wissen zu verbinden, und weil ich mir einiges jetzt mehr erklären kann. Tatsächlich musste ich mich auch bemühen, nicht zu viel zu erzählen und es im Rahmen zu halten.
Und ich dachte mir, es wäre jetzt auch ein guter Anlass hier über die Erkrankung Depression zu schreiben, auf der der Schwerpunkt meiner Station liegt. Ich werde das Thema ähnlich wie in meinem Vortrag zerteilen, d.h. in diesem ersten Teil soll es um erst mal um allgemeine Informationen, um die Definition und um die Verlaufsformen gehen. Danach komme ich dann noch zu den Symptomen, zu den Ursachen, zu den therapeutischen Ansätzen, und was ich über den Umgang gegenüber depressiven Menschen gelernt habe. Als Zusatzpunkt und damit es nicht zu theoretisch wird, habe ich mir gedacht, erzähle ich euch auch nochmal von ein, zwei Patienten auf meiner Station bzw. wie es bei ihnen dazu gekommen ist, das sie eine Depression haben.
Ich hoffe doch sehr, dass es euch interessiert und, dass ihr besser nachvollziehen könnt, um was es sich bei einer Depression eigentlich dreht.


Die Depression gehört zu den häufigsten Krankheiten. Fast jeder Fünfte (Frauen sogar noch mehr) sind 1 mal im Leben davon betroffen. Beschriebene Symptome, die auf eine Depression zutreffen, wurden schon im 5 Jhdt. v. Chr. datiert, was die Theorie es würde sich bei einer Depression um eine moderne Erscheinung drehen, da viele Menschen nicht mehr mit dem Lebensstil des 20. und 21 Jhdt. zurecht kommen würden, wiederlegt. 
Definieren lässt sich die Erkrankung als eine Gemütskrankheit oder als Störungen der Stimmungsregulation. Da man depressive Menschen mit Adjektiven wie freudlos, energielos, hoffnungslos etc. beschreiben kann, wird die Depression auch als Krankheit der "-losigkeit" anerkannt. Zu der Definition gehört aber nicht nur dazu, was eine Depression ist, sondern auch gerade, was eine Depression nicht ist. Eine Depression ist weder ein Stimmungstief, noch eine Trauer oder eine Geisteskrankheit. Stimmungsschwankungen sind normal und gesund, denn sie gehören zum Leben dazu. Gesunde Menschen erkennen jedoch, welche Faktoren diese Schwankungen hervorrufen, sie wissen wie sie damit umzugehen haben und sie haben die Aussicht, das es auch wieder besser wird. Auch der Trauerprozess, der nach mehrere Arten von Schicksalsschlägen von statten geht, gehört zum gesunden Leben dazu und er ist in allgemeine Phasen unterteilt, die für jeden zutrifft. Eine Geisteskrankheit ist es schließlich deswegen nicht, da der Verstand, obwohl viele Patienten eine Verminderung der Funktion des Verstandes erleben, nicht direkt betroffen ist.

Die Erkrankung Depression kann verschiedene Verlaufsformen annehmen, wobei ich hier jetz nur auf die wichtigsten eingehen möchte. Bei einer einzelnen depressiven Episode, die min. 2 Wochen anhält, spricht man von einer depressiven Störung. Das Gegenteil dazu ist die rezidivierende (wiederkehrende) Depression, bei der sich die Patienten in der Zwischenphase vollständig gesund fühlen, und nach einiger Zeit (man spricht immer von einem Zeitfenster von einem halben Jahr) einen Rückfall erleiden. Eine sehr wichtige Unterscheidung ist zudem die, zwischen einer unipolaren und einer bipolaren Störung. Bei einer bipolaren Störung kennen die Patienten beide Extreme, sprich beide Pole- die Manie und die Depression. Denn Depressionen an sich, können auch ohne das andere Extrem der Manie auftreten, wohingegen Manien immer mit der Depression Hand in Hand gehen. Als letztliche wichtigere Sonderform kann man die wahnhafte Depression nennen, in der Patienten z.B. unter einem Schuldwahn oder Verarmungswahn leiden. Bei der Frage, um welche Art der Depression es sichbei einem Patienten dreht, muss man sie individuelle nach dem Schweregrad und dem Verlauf  beurteilen.


Bis demnächst,
Louisa



Lied des Tages: Ron Sixsmith- Maybe this Christmas

Freitag, 15. November 2013

Es war einfach ein besonders schöner Tag

 

Hier endlich mal wieder ein Post über meine letzte Arbeitszeit im FSJ. Und was soll ich sagen- es gibt nur positives zu berichten!:)
Die letzte Zeit war ziemlich intensiv, da ich fast immer da war. Es ist ja nun mal so, dass ich entweder eine Woche habe, in der ich 7 Tage durcharbeite, oder eine Woche, in der ich das Wochenende und einen Tag unter der Woche frei habe. Auch wenn das vorallem in der 7 Tage Woche auch anstrengend ist, ergeben sich daraus aber wirklich nur gute Sachen. Ich merke wirklich sehr deutlich, dass die Patienten mich nicht nur akzeptiert haben, sondern mir die meisten auch richtiges Vertrauen entgegenbringen. Außerdem, kann ich die Patienten dadurch auch viel besser kennenlernen. Momentan haben wir nämlich auch viele Studenten, die 2 Wochen da bleiben und dann wieder die nächsten kommen. Natürlich ist das für die mal ganz interessant, aber wirklich kennenlernen tun sie die Patienten in der kurzen Zeit natürlich nicht. Und für die Patienten ist das auch teilweise echt nervig, dass sie neben all den vielen Mitarbeitern, dann auch noch jedes mal eine neue kleine Horde Studenten kennenlernen. Vorallem bei den Visiten, wo wir durch die Studenten schon mal 11 Leute waren, kann ich gut verstehen, dass einige Patienten sich da eher unwohl fühlen, und sagen, dass sie das nicht möchten. Jedenfalls fühle ich mich da doch deutlich priviligiert, dass ich zum festen Team dazu gehöre. 
Ich selber bin auch viel sicherer geworden. Dadurch, dass ich immer mit anderen Kollegen zusammen arbeite, muss ich mich erst einmal immer an deren Routine und Rangehensweisen gewöhnen. Mittlerweile habe ich das jetzt geschafft, und ich weiß was meine Aufgaben sind und im Kontakt zu den Patienten fühle ich mich viel sicherer als zuvor.  Ich traue mir mehr zu, und kann auch den Überblick viel besser behalten. Es ist einfach so interessant, was ich dort alles lernen kann, allein schon damit angefangen, dass ich lerne wie ein solches Team funktioniert und wie unterschiedliche Meinungen man zu bestimmten Themen haben kann.
Heute war dann auch noch ein besonders schöner Tag. Hatte heute morgen eher nicht so gute Laune, gerade weil ich mich im Moment auch ein wenig krippig fühle. Bin dann auch gar nicht lange auf Station geblieben, sondern so ca. um halb 8 mal mit zur EKT gegangen, um mir das mal näher anzuschauen. Bevor ich weitererzähle, sollte ich wohl erst einmal kurz sagen, was eine EKT ist etc. Also eine EKT steht für eine Elektrokrampftherapie (wurde früher auch Elektroschocktherapie genannt). Sie ist einer der erfolgreichsten Therapien der Psychiatrie  und was dabei gemacht wird ist, dass man dadurch, dass man die Patienten unter eine Narkose setzt, ihnen durch Verabreichung von  eletrischem Strom am Schädel einen eleptischen Anfall auslöst. Das klingt jetzt für den ein oder anderen wahrscheinlich etwas gruselig, und ich muss auch dabei sagen, dass ich mir die Durchführung auch nicht unbedingt nochmal mit anschauen muss, auch wenn ich mir das schlimmer vorgestellt habe. Jedenfalls wird die EKT bei Patienten benutzt, die schon sehr lange unter einer schweren Depression leiden und bei denen es kein Weg zur Besserung gibt oder wenn sie unter einer stärkeren Suizidalität oder wahnhaften Symptomen leiden. Dabei kommt aber auch nicht jeder Patient in Frage, es ist halt vorallem auch abhängig von der körperlichen Verfassung. Diese EKT- Behandlung geht über eine längere Zeit. Normalerweise gibt es so eine Reihe von 12 bis 20 Anwendungen (anfangs 3 mal in der Woche). Wie lange die Wirkung ist, oder ab welcher Anzahl von Behandlungen man eine positive Bestätigung hat, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Der Wirkmechanismus ist bis heute noch unerklärt, aber man kann es sich wohl wie bei einem RESET Schalter vorstellen, da es durch diese elekrischen Impulse zu einer Reizreaktion im Gehirn kommt, die dazu führt das die Neurotransmitter zwischen den Synapsen komplett ausgeschüttet werden. Dadurch soll im Gehirn der Stoffwechsel der Neurotransmitter und Hormone so beeinflusst werden, dass es wohl zu dieser Neuorganisation kommt, die eine Besserung herbei führt. Unerwünschte Wirkungen wie z.B, Gedächnissschwund können auftreten, bleiben aber nicht lange erhalten. Aufgrund der Geschichte dieser Methode ist es ein kontroverses Verfahren, was auch noch auf Widerstand stößt. Allerdings konnte durch diese Methode schon vielen Patienten geholfen werden.
Soweit so gut. Jedenfalls habe ich mir die Behandlung selber an einer Patientin angeschaut und war dann für mehrere Stunden noch mit im Aufwachraum gewesen, wo dann noch zwei andere Patienten mit überwacht wurden. Dabei ist es halt wichtig die Vitalzeichen zu beobachten, und auch wie die Patienten sich verhalten.
Der Pfleger, der das mit mir gemacht hat, war richtig nett und hat mir alles ausführlich erklärt. Zwischendurch war er auch mal kurz weg gewesen. Ein Patient, hat sich ziemlich viele Gedanken gemacht. Es war wohl schon seine 2. EKT- Reihe und heute war seine 9 Behandlung. Bei seiner ersten Reihe, hat es ihm geholfen, allerdings hat es nicht allzu lange angehalten und nach wenigen Monaten, wurde er erneut stationär aufgenommen und er wollte eine zweite EKT- Reihe haben. Dadurch, dass es beim letzten Mal bei der 9 Behandlung angeschlagen hat, hat er sich ziemlich unter Druck gesetzt und er hatte ziemliche Angst, dass es sich bei ihm nicht bessern wird, uns das er dann nicht mehr weiter weiß. Als ich mit den Patienten alleine war, hat er wieder damit angefangen, und ich habe versucht beruhigend auf ihn einzureden. Er tat mir auch einfach so leid, da er meinte, dass er dieses Wochenende nach Hause geht und nicht genau weiß was er denn zu seiner Familie sagen soll, die sich natürlich wünschen, dass er sich bessert. Ihm kamen dabei auch die Tränen und er meinte, es wäre schrecklich in diesem Zustand zu sein, indem nichts wirklich zu einer Besserung führt. Später, als er sich wieder beruhigt hat, hat er sich bei mir bedankt und gesagt, dass ich meine Sache gut mache. Es war so schön, dass in dieser Situation zu hören.
Dann, als alle Patienten soweit wieder fit waren und wieder auf die Stationen konnten, bin ich auch wieder auf Station, wo es ein ziemliches Durcheinander gab. Ich habe mich dann später noch in den Aufenthaltsraum zu ein paar Patienten gesetzt und mich ein wenig mit ihnen über ihr kommendes Wochenende unterhalten. Eine Patienten meinte, dann als sie mich gefragt hat, was ich denn genau für ein Praktikum mache, wie toll ich wohl meine Arbeit machen würde und, dass ich sehr authentisch rüber kommen würde. Eine andere Patienten fragte mich darauf, ob ich denn mal Krankenschwester werden wollen würde, und auch, dass ich Talent hätte. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie unglaublich schön es war, das zu hören. Vor allem von den Patienten selber. Es war einfach ein riesiges Kompliment für mich, und es macht mich immer noch glücklich, wenn ich daran denke. Es ist auch so schön zu wissen, dass obwohl ich keine ausgebildete Fachkraft bin, meine Arbeit wohl doch so gut mache dass die Patienten das selbst so beurteilen. Generell merke ich auch einfach, dass viele Patienten sehr dankbar sind, und wie ich oben schon erwähnt habe, mir vertrauen. Das merke ich schon allein, wenn ich auf Station komme und ich die Patienten begrüße.
Ich fühle mich auch sehr an die Zeit erinnert, als ich mein Praktikum in der Suchthilfeeinrichtung gemacht habe, von der ich ganz zu Beginn meines Blogs mal erzählt habe. Auch da war es so, dass ich den "Patienten" in gewisser Weise Kraft gegeben habe- sie mir im Gegenzug aber mindestens genauso viel. 
An so einem Arbeitstag wie heute, in dem ich mit eher schlechter Laune reingegangen bin, und dann aber mit so einer viel besseren Laune nach Hause komme, wird mir mal wieder bewusst, dass ich genau die richtige Entscheidung mit meinem FSJ getroffen habe. Es war einfach ein besonders schöner Tag.


Das war jetzt ja wohl wieder mal ein relativ langer Beitrag.:) Es war mir aber einfach wichtig diesen Tag und meine anderen positiven Eindrücke nochmal hier festzuhalten, und ich denke, die paar Hintergründe zur EKT könnten für den ein oder anderen vielleicht ganz interessant gewesen sein.


Bis demnächst,
Louisa


- Lied des Tages: Carrie Hope Fletcher- the way we were (hach, so ein schönes Lied für die Jahreszeit...)
http://www.youtube.com/watch?v=cON3qGI6NTI 

Samstag, 19. Oktober 2013

Rückblick auf die Woche

 

So, dann will ich mal über die restlichen Tage an meinem neuem Arbeitsplatz berichten.
An den folgenden Tagen, habe ich mir verschiedene Therapiegruppen angeschaut. Ich war in der Hockergymnastik (Angebot für die älteren Patienten), zweimal bei der Ergotherapie und bei der Selbstverteidigung der Frauen. Bei allen, habe ich selber auch mitgemacht und das gefällt mir dabei auch am meisten, weil ich dadurch nochmal in einem anderen Kontakt mit den Patienten komme. Zur Selbstverteidigung werde ich jetzt wohl jeden Mittwoch gehen, wenn ich Frühschicht habe. In dieser Woche hatten wir Holzstäbe, mit denen wir Übungen machen sollten. Am Ende hat die Leiterin Fragen gestellt, was die Patienten den meinten wofür die Aufgabe denn wohl sinnvoll gewesen sein könnte und wie sie sich dabei gefühlt haben. Die verschiedenen Meinungen dazu, waren sehr interessant.
Die Ergotherapie hat mir aber auch ziemlich gut gefallen. Schon in der KJP habe ich die vielen Sachen bewundert, die sie dort gemacht haben. Im Prinzip arbeitet dabei jeder Patient an einem "Projekt", dass er sich selbst ausgesucht hat. Sei es eine Leinwand zu bemalen, einen Kissenbezug zu stricken, Körbe zu flechten...alles Mögliche ist dabei. Und viele von ihnen bringen viel Talent mit. Man merkt, wie gut es den Patienten dabei geht, und wie es ihnen hilft, aber auch, dass es sie herausfordert.
Am Donnerstag war ich dann noch bei einem Gespräch dabei. Jeweils Dienstags und Donnerstags gibt es zwei Gruppengespräche. In dem, bei dem ich dabei war, ging es darum, dass ein Patient aus der Gruppe, eine Situation vorstellt, die er vor nicht allzu langer Zeit erlebt hat, und mit deren Ausgang er unzufrieden war, weil er sich gewünscht hat, anderes damit umgegangen zu sein. Dann geht es darum, diese Situation aufzudröseln. Der Patient soll, mithilfe von den anderen Patienten und uns, zu der Erkenntnis gelangen, wie er mit solchen Situationen umgehen soll bzw. kann und was er dafür tun muss. Auch dass fand ich wirklich sehr interessant, gerade auch deshalb, weil ich mich in die beschriebene Situation sehr gut hineinversetzen konnte und es mir in gewisser Weise auch geholfen hat.
Ansonsten habe ich mich jetzt schon ganz gut an den Tagesablauf, zumindest im Frühdienst gewöhnt und habe die Patienten schon ein wenig kennenlernen können.




Bis demnächst,
Louisa   


Lied des Tage: Enno Bunger- Regen

Montag, 14. Oktober 2013

Horrorfilm und Zweiter 1. Tag


Meinen ersten Tag, habe ich jetzt schon mal überstanden und die Station gefällt mir.
Bin heute morgen sogar schon um kurz nach 4 aufgestanden, weil ich eine andere Busverbindung rausgesucht habe mit der ich pünktlich um 6 Uhr auf Station bin. Bis jetzt bin ich immer ca. 20 min später gekommen, weil ich um kurz vor 6 mit einem Bus gefahren bin, der mich praktisch von meiner Haustür bis hin zur Klinik bringt. War dann zu faul gewesen, eine andere Verbindung rauszusuchen, da ich schon wusste, dass "mein" Bus nicht früher fährt und es umständlicher wäre. Aber ich habe deswegen immer den Anfang von der Übergabe verpasst, und wollte dann jetzt gleich immer pünktlich kommen.
Musste dann heute morgen um 5 loslaufen zu der Bushaltestelle, die mich dann zum Bahnhof, in der Nähe von der Klinik bringt. Die zwei Strecken vom Haus zum Bus und vom Bahnhof zur Klinik waren ein wenig gruselig. Es war kalt, dunkel und so gut wie keine Menschenseele war da. Und als ich am Bahnhof angekommen bin, bin ich einen Teil der Strecke mit einem Typen gelaufen, bei dem ich nicht richtig wusste, was ich von dem halten soll. Kam mir ein wenig vor, wie der Anfang eines schlechten Horrorfilms.
War dann auch eigentlich gar nicht groß aufgeregt, weil ich noch so müde war. Kam gleich heraus, dass die eigentliche Übergabe erst um halb 7 anfängt, obwohl mir gesagt wurde, ich soll um 6 Uhr da sein. Aber passt von daher perfekt, dass ich jetzt wieder mit "meinem" Bus fahren und länger schlafen kann.
Alle Mitarbeiter, die ich heute kennengelernt habe, waren sehr nett gewesen. Mir wurde eigentlich gleich alles wichtige gezeigt und ich konnte schon kleine Aufgaben übernehmen, wie den Blutdruck zu messen und einzutragen oder einen Patienten mit zum EEG zu begleiten. Später haben wir alle zusammen gefrühstückt. Man merkt sofort den Unterschied zur KJP. Die Patienten sind viel selbstständiger und es ist weniger Trubel. Für den ersten Tag war das schön entspannend. 
Vor der Visite bin ich dann noch mit einer Kollegin in alle Zimmer rein und habe Zettel verteilt, wo sie in der Woche ihre Stimmungen einschätzen sollen. Alle Patienten waren ganz angenehm im Kontakt und sie sind gesprächig und ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere sich vielleicht mir ein wenig mehr öffnet, da ich ja  so viel jünger als die meisten bin. Es gibt ein paar Jüngere und eine ältere Frau auf der Station, ansonsten sind alle so um die 40 und 50 Jahre alt. Eine Frau auf der Station, ist sogar mit ihrem paar Monate alten Baby in einem Zimmer untergebracht.
Später konnte ich dann noch mit zur zweiten Hälfte der Visite. Bis jetzt war ich da noch nie dabei gewesen. Am Anfang war es noch ganz interessant, aber dann hat es sich immer mehr gezogen und ich konnte mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Eine dreiviertel Stunde später war mein Dienst auch schon so gut wie vorbei. Konnte, da ich ja schon um 6 Uhr da war um halb 2 gehen. Ich war totmüde, aber ich habe wirklich ein gutes Gefühl auf der Station. Heute wurde mir auch nochmal gesagt, dass ich morgen früh schon mal mit in eine Therapiegruppe gehen kann und, dass ich mit Patienten, die Ausgang haben, gerne spazieren gehen kann oder mit ihnen spielen kann.
Bis Freitag arbeite ich durch und dann habe ich einschließlich Montag erst einmal wieder frei.

Bis demnächst,
Louisa


Lied des Tages: The Shins- So says i

Sonntag, 13. Oktober 2013

Wechsel

 

Habe erst ein paar Tage hier nicht mehr reingeschrieben, aber es hat sich viel geändert, wie ihr euch ja auch schon von der Überschrift her denken könnt: der neue Vertrag ist unterschrieben und alles ist abgeklärt- ich wechsle ab morgen in die Erwachsenpsychiatrie.
Bereits letzten Mittwoch konnte ich schon einen Termin mit der Frau ausmachen, bei der ich auch mein anfängliches Bewerbungsgespräch hatte. Wir haben uns kurz unterhalten und ich konnte mir direkt eine Station anschauen, die momentan FSJ'tler aufnehmen kann. Da konnte ich mich dann auch nochmal mit einer Arbeiterinn unterhalten und die Sache war beschlossen.
Es gleich am nächsten Tag meiner Bezugsperson persönlich zu sagen, war nicht gerade angenehm für mich. Anscheinend hatte der DRK sich schon mit der Station in Verbindung gesetzt und ich hatte mich ja auch schon, bevor ich in den Urlaub gegangen bin mit im über meine Zweifel unterhalten. Als ich es hinter mir hatte, habe ich mich gleich erleichtert gefühlt. Wenn ich ehrlich bin, hat mir der Tag noch ein wenig zu bedenken gegeben, ob meine Entscheidung denn wirklich richtig war. Denn an dem Tag war meine Koch-AG angesetzt gewesen und obwohl es stressig und anstrengend war, hatte ich doch auch Spaß mit den Kindern und es war wirklich schön gewesen. Der Donnerstag war auch der letzte Arbeitstag für eine Praktikantin gewesen, die 9 Wochen bei uns gewesen ist. Alle Kinder sind zu ihr gegangen um sie zu umarmen und viele haben ihr auch Briefe geschrieben. Ich bin zwar nicht so beliebt wie sie auf der Station, da sie einfach eine sehr lustige Frau ist und unglaublich gut auf die Station passt, aber an dem Abend war ich dann auch schon ein wenig traurig gewesen.
Am Freitag jedoch, wurde mir wieder klar, dass ich die einzig richtige Entscheidung für mich getroffen habe. Es gab viel Gezicke und Streiterein an dem Tag und ein kleiner Junge mit ADHS, der die Angewohnheit hat, sich überall gerne ausziehen zu wollen, hat uns alle auf Trab gehalten.
Ich war aber trotzdem nicht gerade begeistert, dass ich Samstag und Sonntag auf der Station B aushelfen sollte, da viele Mitarbeiter dort krank sind. Zum einen, weil es meine beiden letzten Tage auf meiner Station waren und ich mich gerne von allen in Ruhe verabschieden wollte und zum anderen, weil es ein Widerspruch ist, wenn ich von der KJP gehen will, mich dann noch als Aushilfe für zwei Tage auf die geschlossene Station zu schicken. War dementsprechend ein wenig sauer und hatte wenig Lust darauf. Im Prinzip war es jetzt im Rückblick auch mal eine ganz gute Erfahrung um es einfach kennenzulernen, wie dort alles abläuft etc., aber ich hätte das auch mehr zu schätzen gewusst, wenn ich sowieso in der KJP bleiben wollen würde. 
Nachdem mein Frühdienst heute vorbei war, bin ich kurz nochmal auf Station vorbei um mich von den Kindern, die nicht übers Wochenende Zu hause waren und von meinen Mitarbeitern zu verabschieden. Als ich in eines der Mädchenzimmer mit dem Satz: "Ich wollte nochmal kurz bei euch reinschauen, um mich von euch zu verabschieden.." rein gekommen bin, hat mich ein Mädchen gleich vorwurfsvoll und traurig geantwortet "Ja, ich bin doch schon dabei..", womit sie einen Abschiedsbrief meinte, den sie mir schreiben wollte. Das fand ich einfach nur süß. Auch ein anderes Mädchen im Zimmer, mit der ich mich auch immer gut verstanden habe, hatte es anscheinend noch nicht geschafft ihren zu schreiben. Letztendlich ist es meine Schuld, da ich ihnen am Freitag Abend vergessen habe zu erzählen, dass ich Sa und So auf der B arbeiten muss, und ich hätte sie auch sehr gerne gelesen, aber schon allein die Geste zählt für mich. 
Ich bin von der Station mit einem komischen Gefühl gegangen, aber ich war auch in gewisser Weise erleichtert. Sicherlich freue ich mich darauf, den Kindern und jetzt ehemaligen Mitarbeitern mal über den Weg zu laufen, aber ich habe immer mehr gemerkt, das die Arbeit mit den Kindern in der Rolle die ich da einnehme zu schwierig für mich ist, und die richtige Beziehung mit ihnen zu haben auch.
Jetzt, bin ich sehr gespannt, wie es morgen wird. Man kann schon sagen, dass ich gerade weil ich die letzten zwei Tage nochmal auf der B aushelfen musste, ein wenig Routine bekommen habe, neue Leute kennenzulernen und neue Arbeitsweisen. Auf die Dauer ist es aber echt anstrengend immer neue Leute kennenzulernen und ich hätte am liebsten, dass ich dort alle Mitarbeiter schon kenne, anstatt dass ich mich morgen allen wieder vorstellen muss und ich deren Namen gleich in der nächsten Sekunde wieder vergesse.
Was ich damit eigentlich sagen will ist, dass ich jetzt wo ich die Entscheidung getroffen habe auch gerne schnell das Gefühl haben möchte angekommen zu sein und das mir die Station gefällt.
Aber immerhin fange ich nicht wieder ganz von vorne an und habe schon ein bisschen Erfahrung.


Bis demnächst,
Louisa


Lied des Tages: Walk off the Earth- Roll up